What do?

What do you do, wenn „Titanium“ im Radio läuft? Heute ist ein langer Tag. Morgen geht’s wieder um 06:45 Uhr auf’m Fahrrad in die Schule. Aka 05:45 Uhr aufstehen, weil ich sonst nicht auf mein Leben klar komme. Fühlt sich immer an, wie um halb vier in der Nacht aufzustehen. Das macht eigentlich keinen Unterschied mehr. Und was mache ich morgen? Ich habe noch keine Ahnung und eigentlich ist das auch egal. Die Kinder chillen mit mir und vielleicht hören wir einfach ein bisschen Musik, wenn das Wetter stimmt auch draußen im Park. So sähe meine Welt aus, wenn ich träumen darf. Vermutlich werde ich aber auf das Buch zu sprechen kommen, um am Ende ins Klassenbuch schreiben zu können, dass die Kinder sich mit ganz ganz wichtigen Seiten im Buch beschäftigt haben. Wenn jemand fragt, was wir gemacht haben, ist alles gut dokumentiert. Fragt nur niemals jemand wirklich nach. Man könnte auch „Pimmel“ da reinschreiben und ich glaube es würde nicht einmal auffallen. Oder vermutet wird einer der Schüler*innen lol.

Und was tust du, wenn Titanium im Radio läuft?

Wazzzzup?

Bei mir im Kopf geht einiges ab. Im Endstadium meines Referendariats (ja, es ähnelt einem Krebsgeschwür, das dann aber plötzlich aus unerklärlichen Gründen verschwindet und alle Beteiligten von einem Wunder sprechen) denke ich viel über die Zukunft nach. Meine Zukunft, die Zukunft von Bildung und die Zukunft unserer Gesellschaft. Positiv stimmt mich, dass meine Zukunft dabei deutlich besser wegkommt als die der Gesellschaft.

Ich halte uns zwar noch nicht für ganz lost, aber was unsere Kinder alles ausbügeln müssen, was wir seit über fünfzig Jahren mit rasantem Tempo vor die Wand fahren, übersteigt meine Vorstellungskraft. Der menschengemachte Klimawandel, den einige immer noch leugnen, der Turbokapitalismus, der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet und die Leistungsgesellschaft, die uns mit überflüssigen Aufgaben daran hindert weiter zu denken als bis morgen.

Wir müssen dafür kämpfen, dass wir Zeit zum Atmen und Denken bekommen, damit wir uns Gedanken über unsere Zukunft machen können, um die großen Fragen unserer Zeit zu klären.

Kommt mit mir auf die Straße, seid laut und zeigt den Vollpfosten, dass wir uns eine offene und diverse Gesellschaft wünschen, in denen allen genug Zeit zum Leben (und vor allem schlafen) haben.